Sozialdemokratie in der Gemeinde Ganderkesee

Sozialdemokratie in der Gemeinde Ganderkesee

Zusammengestellt von Manfred Beier

Die Geschichte der Sozialdemokratie in der Gemeinde Ganderkesee ist fast lückenlos bekannt. Wir verdanken diese erfreuliche Tatsache vor allem einigen Parteifreunden, die es auf sich genommen haben, wichtige Dokumente der SPD-Geschichte trotz Gefahr für Leib und Leben selbst über die NS-Zeit zu retten. Dazu gehören eine Broschüre zum 25 jährigen Bestehen des SPD- Ortsvereins von Hermann Denker und zwei Protokollbücher. Diese Unterlagen werden heute im Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung aufbewahrt. Ihnen zufolge ergibt sich aus der Geschichte der SPD in Ganderkesee folgendes Bild:

1903

Am 03. Oktober 1903 wurde der SPD Ortsverein Ganderkesee gegründet

1922

ab diesem Jahr führte der Morgenspaziergang als Eröffnung der Feier zum 1. Mai zur „Dicken Eiche“ im Hasbruch. Damit sollte die Erinnerung an das Geheimtreffen vom 28. Mai 1882 wachgehalten werden. Ab diesem Zeitpunkt schnitzte man ohne Unterbrechung das Datum 1. Mai mit der jeweils dazugehörigen Jahreszahl in die Buche nahe der „Dicken Eiche“. Es fanden sich auch während der NS-Zeit mutige Sozialdemokraten, die unter großer Gefahr für ihre Freiheit an jedem 1. Mai in den Hasbruch gingen, um dort die Datenfolge fortzusetzen.

1928

am 7. Juli legte Hermann Denker nach 21 Jahren das Amt als 1. Vorsitzender nieder. Zum Nachfolger bestimmte die Versammlung Hermann Hagstedt. Im selben Jahr wurde Hagstedt auch in den Oldenburgischen Landtag gewählt.

1930

Anfang März führten die Ganderkeseer Sozialdemokraten eine Wahlveranstaltung mit dem Reichstagsabgeordneten Hermann Tempel durch. Während seiner Rede fingen plötzlich NSDAP - Mitglieder an zu randalieren. Es kam zu der berühmten „Saalschlacht“, die erst durch den Einsatz der Polizei beendet werden konnte.

1933

am 15. Januar hatte der Vorstand die letzte Generalversammlung vor der Machtübernahme der Nazis einberufen. Am 3. Mai trafen sich einige Sozialdemokraten in der Gaststätte Rettich in Bürstel, um die Ganderkeseer Parteiorganisation aufzulösen.

1945

am Buß- und Bettag versammelten sich die Ganderkeseer Sozialdemokraten zum ersten Mal nach dem Kriege bei Backhaus in Bookhorn unter Aufsicht der Militärregierung.

1946

am 22. April fand die Wiedergründungs-versammlung ebenfalls bei Backhaus statt. Wilhelm Strudthoff wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt.

1956

erreichte Fritz Engels als erster Sozialdemokrat das Amt des Bürgermeisters von Ganderkesee. Er behielt die Funktion bis zu seinem Tode 1964.

1958

legte Wilhelm Strudthoff die Funktion des 1. Vorsitzenden nieder. Zum Nachfolger bestimmte die Versammlung Bernhard Punke.

1962

wurde Heinz Esmann zum 1. Vorsitzenden gewählt. Punke hatte auf eine Wiederwahl verzichtet.

1965

beschloß die Jahreshauptversammlung, den Ortsverein in drei Ortsgruppen zu unterteilen: Ganderkesee, Schierbrok und Bookholzberg. Die umliegenden Ortschaften wurden der jeweiligen Ortsgruppe zugeordnet.

1966

legte Heinz Esmann das Amt des 1. Vorsitzenden nieder. Als Nachfolger wurde Theodor Duesmann gewählt.

1967

gab es erneut einen Wechsel. Zum neuen 1. Vorsitzenden bestimmte die Versammlung Helmut Schütte.

1970

verzichtete Helmut Schütte ebenfalls auf eine Wiederwahl als 1. Vorsitzender. Seit diesem Zeitpunkt führt Manfred Beier den Vorsitz.

1972

am 28. Januar schlossen sich die beiden Ortsvereine Ganderkesee und Schönemoor in Folge der Gemeindereform zusammen. Die neue Organisation hatte fast 300 Mitglieder. Sie stellte damit rund zwei Fünftel des gesamten Unterbezirks. Der neue Ortsverein wurde in die Ortsgruppen Ost, Süd und Nord aufgeteilt.
Bei der Gemeinderatswahl im Herbst dieses Jahres erreichte die SPD 20 von 35 Sitzen. Sie konnte mit ihrer absoluten Mehrheit nach acht Jahren Unterbrechung mit Helmut Denker wieder den Bürgermeister stellen. Er behielt das Amt bis zu seinem Tode am 12.2.1986.

1976

gewann die SPD bei der Kommunalwahl mit 18 Sitzen ein weiteres Mal die absolute Mehrheit.

1981

konnte Helmut Denker weiter als Bürgermeister im Amt bleiben. Die SPD war aber nach der Gemeinderatswahl auf die Unterstützung von FDP und Grünen angewiesen.

1986

am 20. Januar verstarb Albert Klusmann. Er gehört mit Hermann Denker, Hermann Hagstedt und Helmut Denker zu den erfolgreichsten nicht mehr lebenden Mitgliedern des SPD-Ortsvereins Ganderkesee. Er war Vorsitzender des Ortsvereins Schönemoor von 1956 bis 1972, Bürgermeister der Gemeinde Schönemoor von 1964 bis 1972 und Landrat des Landkreises Oldenburg von 1972 bis 1981. Von 1970 bis 1978 gehörte er dem Niedersächsischen Landtag an, um nur einige Aufgaben zu nennen.

1986

konnte die SPD nach der Kommunalwahl mit Hans-Christian Schack wieder den Bürgermeister stellen. Unterstützt wurden die Sozialdemokraten von den Ratsmitgliedern der FDP und der SHG. Im gleichen Jahr wurde Hans-Christian Schack zum ersten Mal in den Landtag gewählt. Er hatte sich bereits 1982 für diese Aufgabe zur Verfügung gestellt. Bei den Landtagswahlen 1990 und 1994 gewann er seinen Wahlkreis direkt.

1991

einigten sich die drei Fraktionen SPD, CDU und FDP, Hans-Christian Schack erneut zum Bürgermeister zu wählen.

1996

Kommunal- und Gemeinderatswahlen. Die SPD stellt trotz einer Mehrheit im Rat (SPD 16 Sitze, CDU 15 Sitze, FDP 3 Sitze, Grüne/Bündnis90 3 Sitze) nicht den Bürgermeister. Die SPD schließt einen Gruppenvertrag mit den Grünen.

1999

Am 16. Mai 1999 wählt die Gemeinde Ganderkesee erstmals einen Hauptamtlichen Bürgermeister. Gerold Sprung kann sich beim ersten Wahlgang durchsetzen und ist somit bis 2006 gewählt.

2000

Andreas Kowitz wird, nach dem Manfred Beier erklärt hatte er stehe nicht mehr zur Verfügung, durch die Mitgliederversammlung des Ortsvereins Ganderkesee zum neuen Vorsitzenden gewählt.

2001

Kommunal- und Gemeinderatswahlen. Die SPD erhält 15 der 36 Sitze und stellt die Mehrheit im Rat. Da weder die SPD noch die CDU (14 Sitze) einen Gruppenvertrag mit einer anderen Partei anstreben, werden die Mehrheitsverhältnisse je nach Bedarf gesucht.